Der SENSS-Award
für Streitkultur

Seid Euch nicht so sicher! 20.000€ für diejenigen, die hart in der Sache, aber liebevoll*) im menschlichen Umgang mit Andersdenkenden reden.

Alles beginnt mit Reden. Neue Ideen entstehen. Andere Sichtweisen. Sind wir uns einig? Vielleicht ja. Manchmal nicht. Gut, dass wir geredet haben. Alles endet mit Schweigen. „Mit so einem rede ich nicht.“ „Ich bin ja tolerant, aber…“. „Blöder Idiot“. „Linke Sau“. „Fascho“. Gutmenschenpack“. Aus Schweigen wird Wut. Aus Verletzung Hass. Bis nichts mehr geht. Und alles erlaubt ist.

Browser Mockup

SLOW – Es begann ganz langsam.

SLOW ist der Film für den SENSS-Award für Streitkultur. Er zeigt, wie aus Agression und Wut im Web und den sozialen Netzwerken
reale Gewalt werden kann. Sein Appell: Streitet miteinander, aber tut es fair und achtet die Meinung des anderen.

„Als wir in der Schule die negativen Zahlen lernten, konnte ich nicht akzeptieren, dass -5 kleiner ist als -3. Hätte ich das für mich behalten, wäre ich durchgefallen. Aber da ich in einem Klima groß geworden bin, in dem ich nie Angst hatte, meine Meinung zu vertreten, habe ich vehement protestiert. Der Lehrer ließ sich auf mich ein, fand heraus, warum ich so dachte und gab eine Erklärung, die mir weiterhalf. Ich hatte Glück mit meinen Lehrern; es war hoch angesehen, auch abweichende Meinungen zu vertreten. Man hat dann darüber geredet.“ (Reinhard Wiesemann, Stifter des SENSS-Awards)

Genau das brauchen wir heute mehr denn je. Und finden es immer weniger, im Gespräch mit Fremden oder sogar Freunden, in Zeitungen, Talkshows,… vom besinnungslosen Dauerfeuer auf Twitter, den Kommentaren auf Facebook ganz zu schweigen. Mit jedem Schimpfwort, jedem hasserfüllten Posting, wächst die Wut. Nimmt das Schweigen zu. Und das ist das Letzte, was wir brauchen.

Wir brauchen Mut. Den verdammten Mut, jemand zuzuhören, auch wenn man seine Meinung nicht teilt, ihm nicht ins Wort zu fallen, auch wenn man ihn am liebsten schütteln würde, bis er zur Besinnung kommt, gerade dann und dann vor allem. Jenseits der Meinungen und dem Streit über sie brauchen wir einen liebevollen*) Umgang auf der menschlichen Ebene, der uns erinnert, dass wir es mit Menschen zu tun haben. Wir müssen uns die Mühe machen, uns in Andersdenkende hineinzuversetzen, uns mit ihren Gedanken zu beschäftigen und dann hart und konsequent zu argumentieren. Die Menschen aber müssen wir als Menschen lieben. Ob Rechte, Linke, Klimawandel-Leugner, EU-Gegner, Impfverweigerer, Esoteriker, Materialisten, Kommunisten, Nationalisten, sie alle sind Menschen, die aus ihrer Sicht sinnvolle Ziele verfolgen und die nicht beleidigt oder ausgegrenzt werden dürfen.

Wir möchten dazu beitragen, diese Kultur der Auseinandersetzung zu fördern. Deshalb schaffen wir den SENSS-Award für Streitkultur. Prämiert werden Personen, Institutionen oder Firmen, die dazu beitragen, zu einer achtsamen und menschenwürdigen Diskussionskultur zurückzukehren; einer Diskussionskultur, die in der Sache engagiert und hart ist, im Umgang mit dem Gegenüber jedoch freundlich statt verletzend und die gegnerische Person und Meinung ernstnehmend und achtend. Eine aus verschiedenen Teilen der Gesellschaft zusammengesetzte Jury entscheidet, der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die Preisvergabe erfolgt im April 2018 in der Essener Kreuzeskirche.
Der 1. Preis ist mit 10.000€ dotiert, der 2. Preis mit 6.000€, der 3. Preis mit 4.000€
Vorschläge bitte mit Begründung an r.wiesemann@unperfekthaus.de
Einsendeschluss ist der 31.1.2018


Wir wollen keine Vorgaben machen und nur grob beschreiben, um was es geht. Prämiert werden sowohl neue Ideen, als auch bereits existierende oder erfolgte Aktionen. Der Phantasie der Aktiven sind keine Grenzen gesetzt: Vielleicht organisieren sie respektvolle Gesprächsrunden, sind als Journalisten hart in der Sache aber liebevoll im menschlichen Umgang, machen freundliche Flashmobs, überraschen ihre Kontrahenten mit Blumen, erstellen Filme, Theaterstücke oder Musik zum Thema Streitkultur, organisieren eine neue Art von Demo, kontrovers aber liebevoll, erfinden neue Arten des freundlichem Umgangs mit Andersdenkenden.

Es ist nicht die Intention dieses Preises, Aktionen für Meinungsfreiheit und Toleranz auszuzeichnen. Das tun andere Awards und sie tun es gut. Wir beschränken uns bewusst und in unserer Zielsetzung auf die Förderung einer zivilisierten Streitkultur. Ebenso wenig sehen wir es als unsere Aufgabe an, die Meinungen, über die jeweils diskutiert wird, zu bewerten. Ein Großteil von ihnen werden wir, das liegt in der Natur der Sache, nicht teilen oder ablehnen. Aber genau darum geht es uns eben nicht. Wir orientieren uns an dem (apokryphen) Voltaire-Zitat: „Ich verabscheue Ihre Meinung, aber ich werde mich dafür umbringen lassen, dass Sie sie äußern dürfen.“

Die Tatsache, dass andere Menschen die Prinzipien von Meinungsfreiheit, Toleranz und Menschlichkeit nicht leben, darf für uns kein Grund sein, unsere Prinzipien zu verraten. Sprüche wie „Keine Toleranz für Intolerante“ sind genauso unlogisch wie „Keine Todesstrafe, ausser für Mörder“. Unterschiedliche Meinungen hat es immer gegeben, aber durch das Internet prallen sie stärker aufeinander als je zuvor, und wo man früher für Toleranz und Vielfalt eintreten konnte, ohne dass es persönlich etwas „kostete“, erfährt man heute oft psychische, soziale oder sogar physische Gewalt. Unternehmern wird geraten, sich nicht zu gesellschaftlichen Themen zu äußern, weil sie sonst Boykottaufrufe befürchten müssen, Angestellte verbergen ihre Meinung, weil sie Angst vor Repressionen haben. Es wird dringend Zeit, Meinungsfreiheit und Toleranz durch einen liebevollen*) Umgang auf der menschlichen Ebene zu ergänzen. Man darf nicht hassen, und man darf Andersdenkende weder mit Gewalt, noch durch Mobbing, noch durch soziale Ausgrenzung bestrafen.

Mehr denn je gilt: Wir müssen reden.

*) Ja, da steht tatsächlich „liebevoll“. Denn das ist das Gegenteil von Hass

Das Essener Unperfekthaus ist ein Zentrum für freies Denken (mehr…). Weit über 1000 kreative Zeitgenossen aus 35 Ländern können hier solange ihren selbst gewählten Themen nachgehen, wie sie nicht befürchten müssen, psychisch, sozial oder physisch verletzt zu werden. Doch genau das ist gefährdet, weil manche Menschen sich ihrer Meinung so sicher sind, dass sie Grenzen überschreiten und andere verletzen. Mit dem SENSS-Award möchten wir Beispiele zeigen, wie es besser geht. 

Wer mit Worten draufhauen kann, muss sich genauso zurückhalten wie derjenige, der starke Fäuste hat. Doch immer mehr Menschen verletzen Andersdenkende, obwohl das Nebeneinander verschiedener Denkmodelle Grundlage aller Wissenschaften ist. Man darf heutige wissenschaftliche Ergebnisse und selbst den Klimawandel in Zweifel ziehen, in Flüchtlingsströmen Gefahr oder Chance sehen, rechten oder linken Meinungen anhängen,…

Selbst die Religionen rufen ihre Anhänger dazu auf, niemals zu glauben, genauso sicher wie Gott zu wissen, was richtig und was falsch ist

Deshalb wurden Adam und Eva aus dem Paradies geworfen, deshalb bekennt jeder Moslem im Gebet, dass Allah größer ist als er selbst, und deshalb lesen Juden in vielen Synagogen „wisse, vor wem Du stehst“.

Es sollte tabu sein, Menschen wegen ihrer Meinung zu bestrafen, zu hassen, oder irgendwie in ihrem Menschsein anzugreifen. Wer Andersdenkende mit Worten, Bildern oder sonstwie als Mensch lächerlich macht, sollte genauso kritisiert werden wie derjenige, der andere mit Fäusten verletzt. Wir möchten dazu beitragen, dass Gräben in der Gesellschaft überwunden werden, dass sich jede(r) traut, über seine Meinung zu diskutieren, und dass es uncool wird, Andersdenkende in irgendeiner Weise psychisch, physisch oder sozial zu verletzen. Argumente sind ok, aber Hass und Angriffe auf die Person als Ganzes sollten tabu werden:

– „Da hast Du aber eine sehr falsche und gefährliche Meinung, weil…“ ist ok, weil es die Person stehen lässt und nur die Meinung kritisiert

– „Du bist dumm und gefährlich“ ist nicht ok, weil es die Person als Ganzes verletzt

– „Ich werde dafür sorgen, dass niemand mehr mit Dir redet“ ist nicht ok, weil es die Person sozial verletzt.

Das geltende Recht setzt unserem Streiten Grenzen. In diesem Rahmen müssen wir miteinander gewaltfrei klarkommen – und das betrifft nicht nur physische, sondern auch psychische und soziale Gewalt. Wer keine Lust auf Diskussionen hat, kann sich ebenso heraushalten wie diejenigen, die sich dem anderen argumentativ nicht gewachsen fühlen und befürchten, ihm eine Plattform zu bieten. Immer aber müssen wir unterscheiden können zwischen liebevollem, hilfsbereitem Umgang auf der menschlichen Ebene und harter, ehrlicher Auseinandersetzung in der Sache. Es hat übrigens keiner gesagt, dass das leicht ist. Das nur nebenbei.
Close

CONTACT US

Vestibulum id ligula porta felis euismod semper. Nulla vitae elit libero, a pharetra augue. Aenean eu leo quam. Pellentesque ornare sem lacinia quam venenatis vestibulum. Maecenas mollis interdum!

  • [contact-form-7 id="129" title="popup"]
  • Subscribe error, please review your email address.

    Close

    You are now subscribed, thank you!

    Close

    There was a problem with your submission. Please check the field(s) with red label below.

    Close

    Your message has been sent. We will get back to you soon!

    Close